Studie zur alpinen Wasserkraftnutzung

Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ist bewährt, effizient, sicher und flexibel. Hohe gesicherte Leistungen, hohe Verfügbarkeiten und Speicherfähigkeiten machen die Wasserkraft zur wertvollen Ergänzung des rasch fortschreitenden Ausbaus an Wind- und Photovoltaikerzeugung in Europa. Eine herausragende Stellung in der Stromerzeugung aus Wasserkraft nimmt der Alpenraum ein, ist doch in den acht Alpenländern Frankreich, Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Italien und Slowenien ein beachtlicher Teil der gesamteuropäischen Wasserkraftleistung installiert.

Die Erhebung des Ist-Standes der Wasserkraft im Alpenraum und der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Alpenländern ist Gegenstand einer Studie, die von VUM (Martin Schönberg & Armin Baumgartner) für die Arbeitsgemeinschaft Alpine Wasserkraft (AGAW) erstellt wurde. Kern der Arbeit bildete eine erstmals durchgeführte einzelanlagenscharfe Erhebung aller Wasserkraftanlagen ab einer Leistung von 5 Megawatt (MW) im Alpenraum. Rd. 1.000 Einzelkraftwerksanlagen mit einer Gesamtleistung von 63 Gigawatt (GW) und einem jährlichen Erzeugungsvermögen von 166 Terawattstunden (TWh) wurden erhoben. Die Alpen sind damit „DIE“ Wasserkraftregion Europas.

Niedrige Strompreise und länderspezifisch ungünstige regulatorische Rahmenbedingungen führen jedoch im gesamten Alpenraum zu hohem ökonomischen Druck auf die Wasserkraft. Ungeachtet des rasanten Ausbaus der geförderten erneuerbaren Erzeugungs­tech­nologien (im Speziellen Wind- und Sonnenenergie) bleibt die Wasserkraft jedoch auch auf absehbare Zeit das Fundament der Stromwirtschaft im Alpenraum. Diese zentrale Rolle wird auch unterstützt durch einen vielfältigen (Zusatz-)Nutzen der Wasserkraft, der auch weit über die reine Stromerzeugung hinausgeht:

  • Wasserkraft ist eine technisch ausgereifte und langjährig erprobte Technologie.
  • Wasserkraft ist jene großtechnische Erzeugungstechnologie mit dem höchsten elektrischen Wirkungsgrad.
  • Die hohe Flexibilität der Wasserkraft ermöglicht die Integration volatiler erneuerbarer Energien (Sonne und Wind) in das Stromsystem.
  • Emissionsfreie Wasserkrafterzeugung unterstützt maßgeblich die Erreichung der europäischen und nationalen Klima- und Luftreinhalteziele. Durch alpine Wasserkraftwerke können jährlich 57 Mio. Tonnen Kohlendioxid in der Strom­erzeugung eingespart werden.
  • Wasserkraftnutzung schont weltweit die natürlichen Ressourcen. 166 TWh/a Wasserkrafterzeugung im Alpenraum substituieren durch ihren hohen Wirkungs­grad fossile Energieträger im Ausmaß von rd. 300 TWh/a.
  • Umfangreiche Maßnahmen bspw. in Bezug auf Durchgängigkeit der Gewässer, Reduktion von Schwall-Sunk-Auswirkungen, Renaturierungen und die Verbesserung der Auenanbindungen machen die Wasserkraft in vielen Fällen zu Partnern von Natur- und Gewässerschutz.
  • Wasserkraftwerke tragen durch flexible Steuerung maßgeblich zum Hochwasserschutz bei und nehmen vielfältige technische Funktionen wahr, bspw. Hintanhaltung von Gewässereintiefungen, Sicherstellung von Grundwasser­niveaus.
  • Die großen Alpenflüsse wie Donau, Rhein und Rhone sind wichtige Transportwege. Große Wasserkraftwerke an diesen Flüssen sind schiffpassierbar und stellen ausreichende Wasserstände sicher.
  • Wasserkraftwerke sind Besuchermagneten und werden vielfach touristisch genutzt.

 

Installierte Wasserkraftleistung im Alpenraum

 


 

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